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Unzähmbar Ein einschneidendes Ereignis, eine Leben mit vielen Tiefen, und eine Frau, die aus all dem eine unglaubliche Kraft zieht

Unzähmbar Ein einschneidendes Ereignis, eine Leben mit vielen Tiefen, und eine Frau, die aus all dem eine unglaubliche Kraft zieht

Mit ihren Händen auf dem Herzen spricht Katie Savage über ihre Träume.

„Ich möchte nicht mehr in Angst leben“, sagt sie. „Ich lebte 20 Jahre lang in Angst. Jetzt will ich mutig sein. Ich will anderen Menschen zeigen, dass sich Dinge zum Guten wenden können. Dass sie einfach nur durchalten müssen.“

Vor 20 Jahren verlor Katie nach Komplikationen während eines chirurgischen Eingriffs ihr linkes Bein. Sie war damals 14. Als Neuntklässlerin in der High School, die sich inmitten einer wichtigen Entwicklungsphase befand, tat sie sich unheimlich schwer, mit solch einem einschneidenden Ereignis zurechtzukommen. Während ihre Altersgenossen Freundschaften schlossen und damit beschäftigt waren, ihren Platz in der Welt zu finden, musste Katie das Gehen neu erlernen. Als Folge igelte sie sich immer mehr ein.

Und dennoch spricht Katie genau so offen über schwierige Zeiten wie über ihre Träume. Sie lässt andere an ihren innersten Gedanken und Ängsten teilhaben, und zwar mit einer unglaublich vertraulichen Offenheit. Wenn sie darüber spricht, dann tut sie es so ausführlich und anschaulich, dass man tief in ihre Welt eintaucht, man das Gewicht ihres Schmerzes spürt und man sich an ihrem Erfolg erbaut. Sie ist sanft und stark zugleich, dekoriert ihre Sätze oftmals mit Schimpfwörtern, die aber in solch einer Lieblichkeit rübergebracht werden, dass man sie fast nicht bemerkt.

Katie weiß, dass ihr ein schlechtes Blatt ausgeteilt wurde, aber sie ist fest entschlossen, so lange zu spielen, bis sie gewinnt. Und ihre Fähigkeit, im Angesicht solch eines Schicksalsschlags positiv, hilfsbereit und freundlich zu bleiben, ist wahrlich inspirierend.

„Ich schloss die High School nicht auf die Weise ab, wie ich es mir vorgestellt hatte“, sagt sie, während ihre Hände vom Herzen zu ihren Augen wandern. „Ich hatte mit Depressionen und Angstzuständen zu kämpfen. Ich litt enorm. Es gab Tage, an denen ich einfach nicht existieren wollte. Nicht, weil ich nicht leben wollte, sondern weil ich das Gefühl hatte, nicht dazuzugehören. Ich hatte keinerlei Unterstützung. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es in Ordnung war, ich zu sein.“

Als Teenager versuchte Katie, ihre Behinderung zu verstecken. Sie wickelte oft weite Sweatshirts um ihre Hüfte, um von ihrer Prothese abzulenken. Scham, Angst und Isolierung waren ihre ständigen Begleiter. Und ihre fehlende Mobilität frustrierte sie zunehmend.

Dann aber trat Melissa Stockwell in ihr Leben. Katie saß vor dem Fernseher, als sie die von Trek gesponserte paralympische Triathletin zum ersten Mal sah. Ihr Anblick faszinierte sie. Eine Amputierte im Fernsehen war ein seltener Anblick, und eine so hübsche Amputierte ein noch viel seltenerer.

Melissa war nicht nur stark und talentiert, sondern auch anmutig und attraktiv. Sie trug Bikinis und Kleider, die ihre Prothese zur Geltung brachten. Katie war gefesselt. Sie begann, Melissa auf Instagram zu folgen, und setzte sich ein neues Ziel.

„Ich sah Melissa und dachte: ‚Ich will Fahrrad fahren. Ich will laufen. Ich will eine wunderschöne, sexy Amputierte sein, die stolz auf ihre Prothese ist und andere dazu inspiriert, es auch zu sein“, sagt Katie.

Aber wo sollte sie anfangen? Katie hatte endlich eine Version von sich selbst gefunden, die sie so verzweifelt sein wollte, aber irgendwie fühlte es sich unerreichbar an.

Wie viele Amputierte fühlte sich auch Katie oftmals von einer gewissen Hoffnungslosigkeit erdrückt. Sie hatte das Gefühl, vergessen und sich selbst überlassen worden zu sein.

Die Corona-Pandemie verschlimmerte dieses Gefühl noch, und schon bald war Katie gezwungen, ihr eigenes Überleben der Verfolgung dieses scheinbar unmöglichen Ziels voranzustellen. Sie spürte, wie sie sich immer weiter dem Tiefpunkt näherte.

„Ich hatte die Schnauze voll. Ich wusste, dass ich was unternehmen musste“, sagt sie. „Ich musste meinen Hintern in Bewegung setzen.“

In jener Nacht fuhr Katie von Maryland nach North Carolina, um ihren alten Beachcruiser aus dem Haus ihrer Eltern abzuholen. Sie brachte das Bike zur Inspektion zu Trek Bicycle Rockville, wo sie auf Mitarbeiter Chris Baker traf.

Katie erklärte Chris, dass sie sich nur wenige Sekunden auf dem Fahrrad halten konnte, bevor sie umkippte. Außerdem erzählte sie ihm von ihrem Ziel, eines Tages so wie Melissa Stockwell zu fahren. Ausgehend von ihren bisherigen Erfahrungen erwartete Katie, abgewiesen zu werden. Stattdessen aber gab Chris ihr folgende Worte mit auf den Weg, die ihr Leben verändern sollten:

„Du kannst es schaffen, verdammt noch mal!“ Katie muss schmunzeln. „Genau das sagte er mir. Dann verstaute er das Bike in meinem Auto, und ich fuhr davon.“

„Seine Worte gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.“

Zwei Tage später war Katie erneut auf dem Weg zu Trek Bicycle Rockville. Dort sprach sie mit Brenda Ruby, einer weiteren Angestellten im Laden, über ihre Ambitionen. Brenda ging mit Katie raus auf den Parkplatz und zeigte ihr, wie man „richtig“ fährt, und zwar auf einem leichteren Carbonrennrad.

Dann begleitete sie Katie zu Trek Bicycle Georgetown, wo Brenda mit dem Geschäftsführer Dan Nemeth sprach. Kurz darauf machte sich Katie mit einem brandneuen Rennrad, das sie liebevoll Shiloh nannte, und einer dazugehörigen neuen Einstellung auf den Heimweg.

Sofort machte sich Katie daran, alles über das Radfahren zu lernen. In dieser Lernphase lernte sie Fahrradladenbesitzer und -mitarbeiter kennen, die schnell zu ihren Mentoren, Vertrauenspersonen und Freunden wurden.

Zum ersten Mal in 20 Jahren sah Katie hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie begann, öfter Rad zu fahren. Sie trug jetzt auch Radshorts, die ihre Prothese zur Geltung kommen ließen. Sie baute ein stilles Selbstvertrauen auf, und ihre Selbstzweifel schwanden allmählich.

„Ein Fahrrad macht mein Leben in dieser Welt um Einiges realisierbarer. Es gibt mir Hoffnung. Es macht mich glücklich“, sagt Katie. „Es hatte Zeiten gegeben, da wollte ich nicht mal existieren, und dann plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich alles machen konnte, was ich mir vornahm. Dass ich meine Träume verwirklichen konnte.“

Katie fand sich inmitten einer Gruppe von hilfreichen Menschen wieder, die sie so nicht für möglich gehalten hatte. Schon bald fühlte sich die Bike-Community für sie wie ein zweites Zuhause an.

„Diese Menschen glaubten an mich, als ich nicht an mich glaubte“, sagt Katie. „Sie gaben mir meinen Glauben an die Menschheit zurück. Sie brachten mir eine Freundlichkeit entgegen, die ich jetzt gerne anderen entgegenbringen möchte.“

Und genau das tut sie auch. Kurz nachdem sie das Radfahren neu erlernt hatte, rief Katie die DC Amputee Cycling Clinic ins Leben, um anderen Amputierten dabei zu helfen, ihre Mobilität zu verbessern. Mit der Schaffung eines sicheren Raums, in dem Amputierte das Radfahren erlernen und erleben können, möchte Katie ihnen die Angst vor dieser zuweilen einschüchternden Herausforderung nehmen und ihnen zeigen, dass sie zu mehr fähig sind, als sie je gedacht haben.

„Ich brauchte 20 Jahre, um die zu werden, die ich jetzt bin“, sagt Katie. „Ich möchte nicht, dass die anderen auch so lange dafür benötigen.“

Zwar übernimmt Katie im Rahmen der Clinic viele Aufgaben, aber die Anerkennung überlässt sie gerne anderen. (Als unser Fotograf sie in Maryland traf, bestand Katie darauf, von jeder Person, die ihr geholfen hatte, ein Foto zu machen.)

Mit etwas Hilfe von ihren neuen Freunden verbringt Katie einen Großteil ihrer freien Zeit damit, Genehmigungen zu beantragen, Freiwillige zu koordinieren und die angemessene Unterstützung der Workshop-Teilnehmer zu organisieren. Sie stellt den Amputierten eine Reihe von Fragen, um ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten zu beurteilen und sie mit dem für sie passenden Unterstützungssystem zu paaren, damit sie ihre Ziele erreichen können. Katie hat auch kein Problem damit, sich zwei Stunden ins Auto zu setzen, um sicherzustellen, dass jeder Amputierte ein auf ihn oder sie zugeschnittenes Liegerad Probe fahren kann.

Nach dem Vorbild der Community, die ihr so sehr geholfen hat, arbeitet Katie mit einem Team aus Physiotherapeuten, Prothetikern und Radfahrexperten zusammen, um jeden Neuling bei seinen ersten Pedaltritten zu unterstützen.

„Ich bin nicht qualifiziert genug für solche Sachen“, sagt sie lachend mit einem Blick auf die selbstgemachten Flyer für das nächste Event.

Katie organisiert auch kleine Beutelchen mit handverlesenen Präsenten für die Teilnehmer, wie etwa ein Tagebuch zum Niederschreiben ihrer Gedanken und identische Armbänder als Erinnerung, dass sie nicht allein sind. Für eine kürzlich beidseitig amputierte High-School-Schülerin packt sie auch noch eine persönliche Nachricht mit rein:

„Sei du selbst. Liebe dich selbst. Unter allen Umständen. Immer.“

Vor Kurzem hat Katie mit dem in Washington, D.C. ansässigen Café Grace Street Coffee eine besondere Kaffeemischung kreiert, deren Erlös ihrer gemeinnützigen Organisation Give-A-Limb, Inc. zugutekommt. Die Organisation hilft Amputierten bei der Beschaffung von Ausrüstung zum Gehen, zum Radfahren oder für andere körperliche Betätigungen. Laut Katie spiegelt die nach ihrem Bike „Shiloh“ benannte Röstung ihre Erfahrung mit den Workshops wider. Sie beschreibt sie als „eine Achterbahnfahrt, die mit einem Brownie endet“.

Um an den Brownie zu gelangen, muss man erst mal die Achterbahnfahrt hinter sich bringen. Katie aber ist sich sicher, dass sich das Warten lohnt.

„Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich stolz darauf, eine Amputierte zu sein“, sagt Katie. „Wenn ich die Bilder von dieser schwarzen Frau mit Behinderung auf einem Fahrrad sehe, und dann realisiere, dass ich diese Person bin – das kann ich manchmal gar nicht glauben.“

„Letzten Sommer noch erzählte ich meinem Prothetiker, dass ich so wie Melissa Stockwell sein wollte und Radfahren und all diese tollen Sachen machen wollte. Und in einem Jahr habe ich es bereits verdammt weit geschafft.“

Katie hofft, andere Amputierte mit ihrer Story dazu zu inspirieren, Freude zu suchen, auch wenn es bedeutet, dass sie dafür ihre Komfortzone verlassen müssen.

„An alle, die das Gefühl haben, aufgeben zu wollen: Bleibt dran! Das Leben steckt voller Überraschungen. Es ist großartig und unglaublich. An Orten, an denen ihr es nicht vermutet hättet, werdet ihr Hoffnung und Gemeinschaftssinn finden. Ihr müsst einfach nur am Ball bleiben“, sagt Katie. Haltet durch!“

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