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Frauenpower beim Red Bull District Ride Kathi Kuypers im Interview über Frauen in der Mountainbike- und Slopestyle-Szene

Frauenpower beim Red Bull District Ride Kathi Kuypers im Interview über Frauen in der Mountainbike- und Slopestyle-Szene

Vor einem Monat war es so weit. Der Red Bull District Ride ist nach fünf Jahren zurückgekehrt. Mitten in der Altstadt von Nürnberg trafen sich die Besten der Besten der Slopestyle-Szene. Damit aber nicht genug, es gab eine Premiere. Neben den Jungs zeigten zum ersten Mal auch die Frauen bei der Best Trick Session, was sie alles drauf haben. Am Start standen unter anderem die Trek-Profis Kathi Kuypers, Caroline Buchanan und Emil Johansson.

Frauen im Rampenlicht

Die «Progression Session» beim Red Bull District Ride gab den Frauen dieses Jahr die Möglichkeit, mit den besten Fahrern der Welt zu trainieren und im gegenseitigen Austausch das eigene Riding zu verbessern. An beiden Contesttagen konnten sie sich an die Hindernisse herantasten und diese in ihrem eigenen Tempo ausprobieren, um zu sehen, was möglich ist. Dabei boten sie den rund 120.000 Zuschauer:innen eine gehörige Portion Gänsehaut-Feeling und Action.

Interview mit Kathi Kuypers

Wir haben mit Speed- und Style-Athletin Kathi Kuypers persönlich gesprochen. Ein Interview über den Red Bull District Ride, Frauen in der Slopestyle-Szene und die Girls-Community «Senderella».

Kathi, kommen wir gleich zur Sache: Nach fünf Jahren ist der Red Bull District Ride zurück und feierte in Nürnberg eine Premiere. Zum ersten Mal standen auch Frauen am Start. Welche Bedeutung hat das für dich als Fahrerin und für die ganze Szene?

Es wurden die fünf besten Slopestyle-Ladies weltweit eingeladen, die laut Red Bull das Zeug dazu haben, den technischen Kurs zu fahren. Unter diesen fünf Ladies zu sein, ist eine große Ehre für mich. Seit letztem Jahr, als zum ersten Mal Girls zum Audi Nines eingeladen wurden, geht es rapide bergauf in der Gravity MTB Women-Szene – und es kommen immer mehr Events hinzu. Wir bekommen größere Plattformen, wie eben jetzt das Diamond Level Event, den Red Bull District Ride, um unser Können zu beweisen. Damit wurde ein grosser Felsen weggetreten und dieser Felsen wird erst mal nicht zu stoppen sein. Ich freue mich auf die ganzen Events, die jetzt auf uns Frauen zukommen werden.

Inwiefern profitiert ihr davon, am selben Event wie die Jungs teilzunehmen?

Um in einem noch ziemlich Männer orientierten Business gleichberechtigt zu sein, sollten wir Ladies die gleichen Events fahren wie die Männer. Noch ist das Level der Jungs viel höher. Man kann es am mangelnden Testosteron messen, an der Körperkraft oder wo auch immer. Meiner Meinung nach gab es noch keine richtige Entwicklung im Ladies Slopestyle-Bereich, weil erstens die Vorbilder gefehlt haben und zweitens auch die Plattformen. Wenn es nun einige Kategorien für Frauen an Events gibt, werden die MTB-Ladies darauf hintrainieren und mitwirken können. Das ist nicht nur wegen des Preisgeldes und der Sponsorenverträge wichtig, sondern vor allem wegen dem Prestige.

Wie hast du den Red Bull District Ride persönlich erlebt?

Es war extrem aufregend, alleine den Kurs abzulaufen und alle Obstacles unter die Lupe zu nehmen. Man bespricht sich mit den anderen, wie die Sprünge wohl zu fahren sind, ob man bremsen oder pedalieren muss. In der ersten Nacht habe ich nicht gut geschlafen, weil ich nicht genau wusste, was auf mich zukommt. Als ich den Kurs dann aber gefahren bin und alle Sprünge gemeistert habe, habe ich wie ein Stein geschlafen.

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Was wünschst du dir von solchen Events für die Zukunft?

Es wäre eine große Ehre für mich, in der Freeride Mountainbike World Tour, als Frau in einer eigenen Kategorie mitmischen zu können, dass man uns zutraut, diese fetten Kurse zu fahren. Ich wünsche mir persönlich, dass ich weiterhin so motiviert bleibe, noch ganz viele Skills auf dem MTB zu lernen. In dieser Szene hat man nie ausgelernt und das macht es gerade so spannend. 

Was würdest du dir im Allgemeinen für die Frauen in der Mountainbike-Szene wünschen?

Dass sich mehr Ladies trauen, diese Disziplin auszuüben und auch mal einen Crash hinnehmen, danach wieder aufstehen und weitermachen. Denn wer Tricks übt, fällt erst mal ordentlich auf die Nase. Sich dann immer wieder zu motivieren, weiterzumachen erfordert viel Durchhaltevermögen.

Du gibst Girls mit dem Senderella-Programm die Möglichkeit, in der MTB-Welt Fuß zu fassen. Wie kam’s eigentlich zu Senderella und was steckt hinter dieser Community?

Ich hatte es in den letzten zehn Jahren im MTB-Business nicht wahnsinnig leicht. Um an Kontakte zu kommen, zu Events eingeladen zu werden, anerkannt zu werden, musste ich mich sportlich und auch als Person beweisen. Ich musste rausgehen, Leute ansprechen, sie überzeugen, dass es eine gute Idee ist, in Frauen im MTB zu investieren – und das in einer sehr Männer dominierten Welt. Die wenigen Ladies, die ich um mich hatte, waren keine große Hilfe, denn es herrschte allgemein die Mentalität der Missgunst. Diese Einstellung missfiel mir. Deshalb beschloß ich, alles auf eigene Faust zu stemmen und Wege für die nächste Generation zu ebnen. Vor etwa drei Jahren habe ich «Senderella» gegründet. Erst war es eine Community, um sich als Lady-Shredderin zu identifizieren, dann spann ich die Idee weiter, gründete «Feature the Future». Und selbst wenn ich nur mit Rat und Tat jemandem zur Seite stehen kann, tut das schon gut. Ich organisiere aber auch Rides für Frauen in Bayern und auf Anfrage gebe ich auch Fahrtechnikkurse.

Es ist Zeit, dass Sponsoren aufwachen und in Ladies im Freeride/ Slopestyle-Sektor investieren, uns eine Lebensgrundlage geben und uns finanziell mit Reisebudget für die Welttour unterstützen. Ich denke, da kommt noch etwas ganz Großes auf uns zu und wir sind mal grad so am Anfang. Ich hab noch ein paar Jahre, um mein Vermächtnis zu schreiben, bevor ich in MTB-Rente gehe. Ich bin total heiß darauf, was noch kommt.

Du hast in den letzten Jahren immer wieder erwähnt, dass du mehr Frauen auf Dirtjumps sehen willst. Du hast gerade auch erzählt, wie angespannt die Stimmung unter den wenigen Frauen in der Szene war. Warum ist gegenseitige Unterstützung gerade so wichtig?

Meiner Meinung nach sind die Skills, die man auf dem Dirtjumpbike lernt, die absolut unschlagbaren Basics, die dir die nötige Bike-Kontrolle verleihen. Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Frauen dazu entschließen, ins kalte Wasser zu springen und auf dem Hardtail Spaß finden. Es ist hart, als einzige Frau an einen Spot zu kommen, an dem nur Männer fahren und man will sich nicht bloßstellen oder ängstlich wirken. Hierbei könnten alle Männer da draußen mehr Unterstützung zeigen und die Ladies, die sich eh schon trauen, an einen fremden Spot zu gehen, sozusagen «an der Hand führen» und uns besser integrieren.

Zum Schluss: Was kannst du den Girls mitgeben, die auch damit beginnen wollen?

Bleibt dran, aller Anfang ist hart. Aber es lohnt sich das Dirtjumpen verleiht euch unglaubliche Grundlagen, die euch beim Enduro und Downhill oder im Cross Country definitiv weiterhelfen. Hört nie auf zu lernen!

 

Bilder: Christian Kohlhausen

About the Author: Lorena Baumgartner

Lorena Baumgartner erkundet seit über 10 Jahren die Schweizer Singletrails auf ihrem Mountainbike. Wenn sie nicht auf breiten Stollenreifen unterwegs ist, trifft man sie auch im Sattel ihres City-Bikes an. Als Content Specialist unterstützt Lorena seit Juli 2021 das Marketing-Team von Trek.